#trendingtools (Folge 2/7) : Snapchat

Posted on 11. Mai 2016

Facebook, WhatsApp, Snapchat – Instant Messaging Dienste sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein macht, eignen sich diese Dienste für die Unternehmenskommunikation und bieten einen großen Wettbewerbsvorteil. Allen voran: Snapchat. Der Messenger hebt sich in erster Linie durch seine junge Nutzergruppe ab und ermöglicht authentischen und emotionalen Austausch direkt mit dem Kunden.

Von: Andreas Peters

2016 oder auch: das Snapchat-Jahr

100 Millionen Snapchat-Nutzer sehen täglich 10 Milliarden Video-Clips. Dank dieser enormen Reichweite wird Snapchat so zu einer ernsthaften Konkurrenz für die vermeintlichen Platzhirsche. Doch woher kommt der Snapchat-Hype, der gerade bei den 13- bis 24-Jährigen enorm ausgeprägt ist? Im Gegensatz zu anderen sozialen Plattformen sind Videos und Bilder nur einige Sekunden sichtbar, bevor sie wieder gelöscht werden. Doch es ist genau diese Vergänglichkeit des Contents in Verbindung mit der Authentizität unverfälschter Momentaufnahmen, die die Nutzer auf das Konzept anspringen lässt.

Neben dem Erstellen eigenen Contents und der Nutzung als Messenger zur Kommunikation mit Freunden, interessiert die Zielgruppe der Millenials vor allem der Behind-The-Scenes Content von sogenannten Influencern, die auf Snapchat zu regelrechten Stars zum Anfassen werden. Durch die Story-Funktion haben Nutzer die Möglichkeit, Influencer, Blogger oder Prominente den ganzen Tag zu begleiten und Teil ihres Alltags zu werden. Hier bieten sich Chancen für Unternehmen. Denn kein Tag vergeht, an dem die Blogger, Influencer oder B-Promis kein „Unboxing“-Video drehen, in dem sie die Produkte präsentieren, mit denen sie fortwährend ausgestattet werden. Und da Snapchat nicht als Werbeplattform konzipiert wurde und dadurch vieles ungefilterter und ehrlicher ist, verlieren Produktplatzierungen (noch) automatisch den Charakter des Werblichen.

Die Geheimwaffe für die Unternehmenskommunikation

Der Hype um Snapchat ist spätestens 2015 auch nach Deutschland übergeschwappt und dennoch wird Snapchat erst von wenigen Unternehmen in den Kommunikationsmix integriert. Dabei kann der Messaging Dienst richtig bespielt eine echte Geheimwaffe sein – aber auch eine Herausforderung.

Denn Snapchat zwingt uns, vieles, was wir über digitale Kommunikation und soziale Medien gelernt haben, zu vergessen. So gibt es beispielsweise kein klassisches, für alle sichtbares Engagement in Form von Likes, Kommentaren oder Retweets. Es existiert keine öffentliche Diskussions- und Kommunikationsplattform. Vielmehr könnte man annehmen, dass Snapchat sich aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht wieder dem nahezu archaischen Sender-Empfänger-Modell nähert.

Unverfälscht und direkt

Doch ein genauerer Blick zeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Snapchat ist in seiner ursprünglichen Funktion als Instant Messenger ein direktes Kommunikationsmedium. Dass der Rückkanal nicht öffentlich ist, bedeutet noch lange nicht, dass er irrelevant ist. Im Gegenteil: Snapchat fördert den Dialog zwischen zwei Parteien auf einer wesentlich ungefilterteren Ebene und ermöglicht Unternehmen so einen direkten und emotionalen Austausch mit Kunden.

Nicht zuletzt deswegen, sondern auch wegen der eingangs erwähnten großen Nutzerschaft und der ungewöhnlich hohen Reichweite, eignet sich Snapchat auch als unkonventionelles Markenbildungstool im Unternehmenskommunikationsmix. Im B2C-Umfeld können so neue und spielerische Einblicke vermittelt und spontane und gewinnbringende Behind-the-Scenes-Inhalte zu Produkten geschickt kommuniziert werden. Zwei gute Beispiele sind hier Taco Bell und Burberry.

In der Praxis

Taco Bell nutzt die großen Vorteile der Plattform für sich und kreiert spontane, witzige Produktshots, die mit Snapchat-Scribblefeatures versehen werden und so das Produkt augenzwinkernd anteasern (Snapchatname: tacobell). Aber auch darüber hinaus zeigt Taco Bell auf, wie die unterschiedlichen Features der App zur Markenkommunikation genutzt werden können. So postet das Unternehmen beispielsweise Bildvorlagen in seine Snapchatstory. Diese von den Nutzern gescreenshoteten Vorlagen können dann bearbeitet und an Taco Bell in Form einer Privatnachricht oder mittels Hashtag auf anderen Sozialen Netzwerken zurückgespielt werden. 

Auch Burberry (Snapchatname: Burberry) hat die Vorteile von Snapchat erkannt und ermöglicht den Usern exklusive Behind-The-Scenes-Einblicke  von Kampagnen-Fotoshootings.

Snapchat wird erwachsen

Doch Snapchat entwickelt sich weiter, um auch für ältere Nutzer zugänglicher zu werden. Neben einer intuitiveren Benutzeroberfläche, wurde beispielsweise im März die Chatfunktion des Instant Messengers nachgerüstet, sodass jetzt auch Sprachnachrichten, Videoanrufe und die Verwendung von Stickern möglich ist. Die Funktionen, die man unter anderem von Whatsapp oder dem Facebook Messenger kennt, soll auch ältere Nutzer anziehen. Eine Entwicklung, die der App gut täte – schließlich sind 52 Prozent der Snapchat-Nutzer zwischen 16 und 24 Jahren alt. Eins steht jedenfalls fest: Snapchat dürfte bald auch hierzulande eine breitere Nutzerschaft hinter sich versammeln, die die Einbindung der App in die strategischen Überlegungen der Unternehmenskommunikation für eine Vielzahl von Marken noch interessanter machen wird.

Wer Snapchat also noch nicht auf dem Handy hat, sollte es sich schnell herunterladen: Für iOS oder Android

(In der nächsten Ausgabe beleuchten wir den Live-Video-Übertragungs-Dienst und die  möglichen Nutzungsszenarien für Unternehmen.)