Let’s Do It: Challenges erobern Social Media

Wer in den letzten Tagen durch seine facebook- oder Instagram-Timeline gescrollt hat, wird über Videos gestolpert sein, in denen Menschen wie eingefroren wirken. Sei es die Pole Dance Gruppe beim Training, Schüler auf dem Schulhof Sportmannschaften aus den USA oder Promis, die sich Backstage zeigen.

von Désirée Drothen

Auch der BVB rund um Mario Götze machte schon mit:

Die sogenannte Mannequin Challenge greift ein Phänomen unserer heutigen Pop-Kultur auf: Viralität von Inhalten

Man überlegt sich eine Aufgabe, dreht dazu ein Video und teilt es in den Sozialen Medien mit seinen Freunden in der Hoffnung, dass sich Video und Challenge verbreitet. Ein netter Zeitvertreib so scheint es, der die Menschen zum Einfrieren, wie bei der aktuellen Mannequin Challenge bringt, oder zum Ausflippen, wie vor einigen Jahren beim Harlem Shake. Doch nicht immer sind solche Challenges von Erfolg gekrönt. So versuchte RTL Guten Morgen Deutschland (GMD) vor ein paar Jahren auf den Harlem Shake aufzuspringen und rief seine Zuschauer dazu auf, Videos einzureichen. Die Resonanz war damals so träge, dass die Challenge bei GMD fortan nicht mehr genannt wurde.
Die Mannequin Challenge verfolgt, wie auch der Harlem Shake, kein tieferes Ziel sondern ist tatsächlich eher als Jux einiger High School Schüler aus Florida entstanden. Dennoch kommen wir alle nicht umhin, sie zu sehen.

 

Challenges für Fundraising und Awareness

Doch nicht alle Challenges drehen sich lediglich um den Spaß und die damit verbundene Herausforderung, der man sich stellt. Speziell in den letzten zwei Jahren haben sich auch Challenges in unser Gedächtnis gegraben, die ernste Themen in den Mittelpunkt gerückt und zum Spenden aufgerufen haben.

22 PushUp Challenge

Diesen Sommer begleitete uns die 22 PushUp Challenge. An 22 aufeinander folgenden Tagen werden täglich 22 PushUps absolviert und gefilmt. Die Zahl 22 ist hier der entscheidende Punkt, denn laut einer Studie aus dem Jahr 2012 nehmen sich täglich 22 US-Kriegsveteranen das Leben.

Unter dem Hashtag #22KILL finden sich somit unzählige Personen, vornehmlich Amerikaner, die an der Challenge teilgenommen haben. Losgetreten wurde die Challenge vom US-Fallschirmjäger Gabe Gonzales, der an seine Kameraden erinnern wollte, der Suizid begangen hatte. Eine extreme Verbreitung erlangte die Challenge vor allem dadurch, dass Stars wie David Beckham, Guy Ritchie, Jason Statham und The Rock teilgenommen haben. Gespendet wurde an die Organisation „22KILL“, die posttraumatische Belastungsstörungen bekämpft.

Ice Bucket Challenge

Noch ein Stück mehr Bekanntheit erlangte die Ice Bucket Challenge im Jahr 2014, bei der man sich einen Eimer Eiswasser über die Köpfe goss und für die Forschung von Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) spendete und Freunde nominierte, dies ebenfalls zu tun. Auch wir haben uns in diesem Rahmen Eiswasser über die Köpfe gegossen.

Trotz vieler Kritik gilt die Ice Bucket Challenge als eine der erfolgreichsten viralen Spendenaktionen aller Zeiten.

Bekannt wurde die Aktion durch eine amerikanische Morgen-Show sowie den Golfer Chris Kennedy, die sich der Challenge stellten. Die Idee selbst stammt vom Baseball-Star Peter Frates, der selbst an ALS erkrankt ist.

Ist der Viral-Erfolg einer Challenge also nur Glück?

Auf den ersten Blick scheint es, als bräuchte es vor allem Glück, damit eine Challenge oder Video “viral geht” und Menschen auf der ganzen Welt mitreißt. Niemand kann einem garantieren, dass ein Video 10 Millionen Views erhält.
Aber meist lässt sich recht gut vorhersagen, welcher Content zumindest gut geteilt wird. Dass das Leiden von Kriegsveteranen die Amerikaner stark beschäftigt, ist bekannt. Gibt man hier noch ein paar Multiplikatoren hinzu, die mit aufspringen, kann man sicher gehen, dass man einen viralen Hit gelandet hat. Beyoncé, David Beckham und Ellen DeGeneres sei Dank. In Deutschland könnten vermutlich auch Jérôme Boateng und Jan Böhmermann einen ähnlichen Trend auslösen.

Wer also die Wissenschaft der viralen Verbreitung versteht, kann die Wahrscheinlichkeit, dass ein Inhalt “viral geht”, deutlich erhöhen. Allerdings gehört auch immer eine große Portion Glück dazu.
Für einen guten Zweck würden wir jedoch jederzeit wieder an einer Challenge wie der Ice Bucket Challenge teilnehmen.