Von Ziegen und Menschen: Unser Besuch auf dem KIKK Festival 2016

In diesem Jahr besuchten wir zum ersten Mal das KIKK Festival in Namur, Belgien. Erwartungen an das Programm hatten wir zunächst keine großen, da es sich um eine kostenlose Veranstaltung handelte – sollten allerdings schnell eines besseren belehrt werden. Allein die Location war schon ein großer Hingucker: Das Théâtre de Namur.

von Lena Beckmann & Melanie Schneider

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Der Main Room, oder um seiner Architektur gerechter zu werden, der Grande Salle des Theaters bot einen spektakulären Ausblick auf die Bühne und die bemalte Decke mit Kronleuchter.

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Das Programm umfasste 39 Konferenzen, 6 Workshops, 27 Market Exhibitors, 15 Exhibition und 4 Partys. Als Speaker waren unter anderem Stefan Sagmeister, Raquel Meyers, Memo Akten, Agi Haines, Thomas Thwaites, Pablo Garcia und Loïc Vigneron zu hören.

 

KIKK Conferences

Hier findet ihr einen Auszug der KIKK Conferences, die wir besonders spannend fanden:

Kathy Hinde – Sound, Light and Water

Sound Artist Kathy Hinde präsentierte ihre verschiedenen audio-visuellen Installationen und das Zusammenspiel aus Sound, Skulptur, Bild und Licht. Diese Arrangements aus natürlichen Stoffen offenbarten spektakuläre Klänge und Bilder.

Pablo Garcia – Context Is the Only Medium That Matters

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“Context is the only Medium that matters” – mit diesem Thema befasste sich Pablo Garcia in dessen Vortrag. Er startete mit seinem Projekt Webcam Venus, in dem er Sexcam Models Posen von berühmten Kunstwerken nachstellen ließ. Seine entscheidende Frage war, wo genau liegt der Unterschied? Warum ist das eine Kunst und das andere Pornografie? Das Zusammenspiel aus Kontext und Content demonstrierte er anhand verschiedener Beispiele.

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Thomas Thwaites – A holiday from being human

Fotograf: http://www.timbowditch.co.uk/

Fotograf: http://www.timbowditch.co.uk/

In seinem Projekt “A holiday from being human” nahm Thomas Thwaites uns mit auf eine verrückte Reise. Thwaites lebte drei Tage als Ziege in einer Herde. Warum und wie er darauf gekommen ist, hat er in seinem Vortrag mit uns geteilt. Durch sein Projekt wollte er der menschlichen Angst und Gesellschaft entkommen. Er wollte eine Ziege werden und dies mit Hilfe von neuester Technologie in die Realität umsetzen.
Das Ergebnis: Er schaffte es drei volle Tage in einer Ziegenherde zu leben und wurde am Ende sogar ein Teil dieser Herde. Er ließ sich Ziegenbein-Prothesen und sogar einen speziell gestalteten Fake-Ziegenmagen anfertigen. Der Magen sorgte dafür, dass das Gras, das er aß, verdaut werden konnte, bevor es seinen echten Magen erreichte. Dieses Experiment zeigte, wie fortgeschritten die moderne Technik ist und dass diese es sogar ermöglicht, Eigenschaften von Tieren zu übernehmen.

 

Little.KIKK

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Little.KIKK – ein kleines Festival für die Kleinsten frei nach dem Motto „Bring your kids to the magic!“ Besucher konnten spielerisch neue Medien und Technologien erleben und entdecken.

Durch interaktive Installationen, Workshops oder Spiele konnten die Kinder experimentieren und sich so neuesten Technologien nähern. Wir haben hier aber mindestens genauso viele interessierte Erwachsene gesehen, wie Kinder.
Zu entdecken gab es zum Beispiel eine spezielle Farbe, mit der man auf Papier malen konnte und die durch Berührungen Sounds abspielte oder digitale Autos, die durch einen analogen Hindernisparcour gesteuert werden konnten. Besonders schön fanden wir, dass man am Eingang zwei große Plastikstücke bekam, welche man in ein großes Kunstwerk integrieren sollte, um somit Teil eines Gesamtkunstwerkes zu werden.

 

KIKK.art

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Bei der Ausstellung des KIKK Festivals ging es in erster Linie um die Erscheinung von optischen und/oder audiovisuellen Illusionen.

Fabian Oefner stellte beeindruckende Bilder in Regenbogenfarben zur Schau. Diese Fotos wurden genau in dem Moment geschossen, als eine Seifenblase zerplatzte und erzeugte beeindruckende Regenbogen-Motive.

Nicolas Bernier stellte sein Projekt “Frequencies (light quanta)” vor, bei dem es um eine audio-visuelle Installation handelt. Das Ganze bot ein Zusammenspiel von Reflexion und sich ändernden Lichtverhältnissen, Tiefe und Geometrie. Ein visuelles Zusammenspiel, das sich immer wieder neu erfindet, und das Gefühl, teil einer Geschichte zu sein.

Natürlich gab es hier noch viele weitere beeindruckende Kunstwerke. Im Großen und Ganzen eine sehr gelungene Ausstellung, die zum Staunen einlud.

 

KIKK.market

Auf dem PLACE D’ARMES befand sich ein großes Zelt, in dem kreative und innovative Projekte – unter Nutzung neuester Technologien – von belgischen und internationalen Startups, Künstlern und Unternehmen ausgestellt wurden.

Ein kleiner Auszug:

SubPac: Macht Musik, Filme oder Games spürbar. SubPac ist ein kleiner “Rucksack”, der z.B. Bässe in Vibrationen umwandelt, um sie erlebbarer zu machen – der Körper wird Teil der Erlebnisse. Gerade für Games oder VR-Erlebnisse stellen wir uns das sehr interessant vor. Mehr über SubPac

ONAK canoes: Das faltbare Kanu. Dieses Kanu lässt sich zu einem Koffer zusammenfalten, um es mit auf Reisen zu nehmen. Mehr über ONAK canoes

Ga.ia: ist ein Cyborg, der das fehlende Gehirn und Beine für Pflanzen bietet. Halb Pflanze, halb Roboter geht Ga.ia ganz selbständig Wasser holen und Licht einschalten, wenn es die Pflanze benötigt. Perfekt für alle, die keinen grünen Daumen besitzen. Mehr über Ga.ia

Spector: Ein nützliches Tool für alle Designer, das sich noch in der Prototyp-Phase befindet. Mit diesem nützlichen Gadget lassen sich Schriften oder Farben fotografieren und eine entsprechende Software interpretiert dann Eigenschaften wie z.B. Schriftart/-größe, Kerning, Zeilenabstand und Farbwerte. Das ganze kann mit InDesign gekoppelt werden. Mehr über Spector

 

KIKK.FAZIT

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Wir konnten während unserer Zeit in Namur sehr viele Eindrücke sammeln. Auch wenn die Vorträge nicht direkt mit unserem Arbeitsalltag zu tun hatten, haben wir einiges mitnehmen können. Nicht nur das Festival, sondern auch Namur kann sich sehen lassen. Die schöne Altstadt mit ihren kleinen Cafes und Eckkneipen lädt zum Schlendern ein.

Wir hatten zwei sehr schöne Tage, an denen wir nicht nur neues Wissen mitgenommen, sondern auch einige interessante Kontakte knüpfen konnten und einen bleibenden Eindruck an das Festival und die kleine aber feine Stadt Namur behalten werden. Wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall wiederkommen!