iBeacons: Digitaler Kontext für die physische Welt

Posted on 26. Juli 2014

Mit den neuen iBeacon-Funksendern können Unternehmen neue Dienste am Standort des Nutzers anbieten. So können bestehende Kunden gehalten und neue Kunden gewonnen werden.

Von David Lehmann

Längst ist es All­tag, dass Smart­pho­nes und Tablets an unse­rem Auf­ent­halts­ort kon­text­be­zo­gene Infor­ma­tio­nen und Dienste dar­stel­len. So lässt sich an der Stra­ßen­ecke ein Taxi per App bestel­len oder der Weg zum nächs­ten Geld­au­to­ma­ten fin­den. Doch in Gebäu­den – dort wo die meis­ten Geschäfte gemacht wer­den – funk­tio­niert das dafür genutzte GPS (Glo­bal Posi­tio­ning Sys­tem) zur Stand­ort­be­stim­mung nicht.

So funk­tio­nie­ren iBeacons
In der Bild­punkt­schmiede beschäf­ti­gen wir uns aktu­ell mit einer mög­li­chen Lösung für die­ses Pro­blem: App­les neue Blue­tooth Low Ener­gie (kurz BLE) Funk­sen­der namens iBe­a­cons. Ver­gli­chen mit dem „nor­ma­len“ Blue­tooth hat BLE einen deut­lich gerin­ge­ren Strom­ver­brauch. Die klei­nen Bea­cons (Eng­lisch für Leucht­feuer) sen­den in regel­mä­ßi­gen Abstän­den ein Signal aus, das unter ande­rem eine ein­deu­tige Ken­nung ent­hält. Emp­fängt ein Smart­phone diese Signale, kann es (auch wenn sich die ent­spre­chende App im Hin­ter­grund befin­det) Aktio­nen aus­lö­sen und Infor­ma­tio­nen anbie­ten. Da die Ortung dabei recht genau sein kann – bei­spiels­weise an wel­chem Kauf­haus­re­gal der Nut­zer sich gerade befin­det – spre­chen Exper­ten dabei von „Micro-Location-Context“.

ibeacons-1200x546

Die Bea­cons funk­tio­nie­ren aktu­ell sowohl mit iOS als auch mit Android. Es ist zu erwar­ten, dass Micro­soft mit Win­dows Phone in Kürze nach­zie­hen wird. Durch den iBeacon-Kontext wird eine Fülle neuer Mög­lich­kei­ten in Apps geschaf­fen. Dabei geht es von Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen oder Bestell­mög­lich­kei­ten am Laden­re­gal über Kun­den­bin­dungs­pro­gramme und auto­ma­ti­schen Check-ins am Flughafen-Terminal bis hin zur Anzeige der Xing-Profile ande­rer Kon­fe­renz­teil­neh­mer im sel­ben Raum. Auch für Mes­sen oder die Hei­m­au­to­ma­tion kön­nen iBe­a­cons genutzt wer­den. Durch die Nut­zung von Apps fal­len zusätz­lich viele Daten an. So bie­tet auch die Aus­wer­tung des Kun­den­ver­hal­tens inter­es­sante Mög­lich­kei­ten für Unternehmen.

iBe­a­cons bie­ten „unglaub­li­che Möglichkeiten“
Zukünf­tig sol­len iBe­a­cons „unglaub­li­che Mög­lich­kei­ten“ bie­ten, so James Mil­lett, Head of Digi­tal von Easy­jet. Die Air­line instal­liert der­zeit an drei gro­ßen Flug­hä­fen Bea­cons, wei­tere sol­len fol­gen. Aktu­ell wer­den diese im Bereich der Gepäck­ab­gabe und der Sicher­heits­kon­trol­len genutzt um zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen anzu­bie­ten. Auch Ame­ri­can Air­lines und Vir­gin Atlan­tic haben bereits Tes­t­in­stal­la­tio­nen ange­kün­digt. Das Ber­li­ner Unter­neh­men Bea­con­In­side hat schon im März in 30 deut­schen McDonalds-Filialen die neuen Funk­sen­der instal­liert. Dort kön­nen mit Hilfe der iBe­a­cons bereits heute digi­tale Gut­scheine auto­ma­tisch über die iOS-Passbook-App auf­ge­ru­fen wer­den. Eine andere krea­tive Ver­wen­dung für iBe­a­cons kommt von Nivea: In einer Wer­be­ak­tion wur­den tau­sende iBe­a­cons in Zeit­schrif­ten ver­schenkt und als Ortungs­arm­band für Kin­der am Strand genutzt.

Die iBeacon-Welle rollt und hun­derte Ein­satz­sze­na­rien war­ten dar­auf, ent­wi­ckelt zu wer­den. Unter­neh­men kön­nen ihren (poten­zi­el­len) Kun­den einen attrak­ti­ven Mehr­wert bie­ten und gleich­zei­tig einen geschäft­li­chen Nut­zen gene­rie­ren. Die letz­ten Jahre haben gezeigt, dass sol­che Ent­wick­lun­gen Ände­run­gen in Geschäfts­mo­del­len oder Wett­be­werbs­ver­schie­bun­gen bedeu­ten kön­nen. Daher sind iBe­a­cons für den Mit­tel­stand ein inter­es­san­tes Thema, das Sie mit Ihren Part­nern, Kun­den und Dienst­leis­tern bespre­chen soll­ten.

Fak­ten

  • iBe­a­con ist ein Stan­dard von Apple, er basiert auf Blue­tooth Low Energy. iBe­a­cons sind kom­pa­ti­bel mit iOS– und Android-Betriebssystemen und haben eine Reich­weite von bis zu 100 Metern
  • 22 % nut­zen ihr Smart­phone bereits heute beim Ein­kau­fen,
    17 % haben in den letz­ten 12 Mona­ten etwas per Smart­phone gekauft (Grund­la­gen­stu­die Online und Mobile Retail – LINK Insti­tut, 2014)
  • Die große Mehr­heit der Ver­brau­cher (86 %) glaubt, dass es für Händ­ler in der Zukunft noch wich­ti­ger wer­den wird, ihre Pro­dukte über ver­schie­dene Kanäle (stationär/online/mobil) anzu­bie­ten (Die Zukunft des Han­dels – eBay/Deloitte, 2013)

Dieser Artikel ist ursprünglich im Blog der Bildpunktschmiede erschienen.