FineDings – Rückblick Juli 2020

Von Sophie Rosentreter am 04. August 2020

Corona hält uns weiterhin auf Trab. Wie SeniorInnen in England der Einsamkeit und Langeweile trotzen, wie es ist, wenn der Lockdown kein Ende nimmt und wie ihr ohne zu reisen einen Blick aus fremden Fenstern werfen könnt, das erfahrt ihr in unseren neuen Juli FineDings.

von Sophie Rosentreter

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FineDings Juli 2020 Senior Album Covers

(Screenshot: Twitter)

Um etwas mehr Spaß in den Alltag der BewohnerInnen des Seniorenheims Sydmar Lodge in England zu bringen, hat sich der Aktivitätenkoordinator Robert Speker etwas ganz besonderes einfallen lassen: er stellte Albumcover berühmter Künstler nach. Die Stars waren die SeniorInnen. Das Endprodukt kam so gut an, dass sogar einige Enkelkinder der BewohnerInnen sie auf ihren Social Media Accounts teilten.

Gerade ältere Menschen, die in Einrichtungen wie Sydmar Lodge leben, sind vom Lockdown besonders stark betroffen, da sie wegen des hohen Risikos, das Covid-19 für sie birgt, in vielen Ländern nach wie vor keinerlei Besuch empfangen dürfen. In Deutschland sind aus diesem Anlass Initiativen wie Stift & Papier entstanden, bei denen Brieffreundschaften an BewohnerInnen von Seniorenheimen vermittelt werden. Mir seiner lustigen Aktion hat Robert Speker auf jeden Fall dazu beigetragen, die Situation für die SeniorInnen etwas angenehmer zu gestalten.

 

 

Dunkle Zeiten

FineDings Juli 2020 Dark ages of the Web

(Screenshot: Pavel Laptev)

Wer erinnert sich nicht an die "dunklen Zeiten des Internets"? Es waren die Zeiten von massiven Schlagschatten, Custom Fonts mit viel Glitzer und einer Reihe an Gifs von süßen Teddybären. Der Satz "Willkommen auf meiner Webseite" in Comic Sans war absolut vertretbar, doch neben den fragwürdigen Designs ist auch die UX ein Thema, das damals oft zu kurz gekommen ist. Pavel Laptev, Lead Designer bei Alteos in Berlin, hat die Geschichte des Internets und ihre Highlights seit 1994 auf einer Landingpage zusammengefasst. Das ganze fühlt sich an wie eine Zeitreise und man wird leicht nostalgisch. Aber mal ehrlich, wir vermissen nichts. Außer vielleicht das schöne Glitzer...

 

 

Go ask Alice

FineDings Juli 2020 TheirTube
(Screenshot: TheirTube)
Jeder kennt es, man schaut sich auf YouTube nur ein bestimmtes Video an, aber der Algorithmus ist so gut in dem, was er tut, dass man – statt zum Sport zu gehen oder den Abwasch zu machen – ein Video nach dem anderen schaut. Man gerät in eine Blase, in der einem nur Videos empfohlen werden, die einander gleichen und ähnliches Gedankengut verbreiten.
Der sogenannte "Rabbit-Hole"-Effekt (inspiriert von der Geschichte Alice im Wunderland, bei dem die junge Alice durch einen Kaninchenbau in eine fremde Welt gerät) wird oft als Grund für die Radikalisierung von Menschen auf YouTube genannt. Auf der Webseite TheirTube, ins Leben gerufen von den Designern Tomo Kihara und Polina Aexeenko, kann man einen Einblick gewinnen, wie YouTube für verschiedene Personengruppen aussieht und es wird schnell erkennbar, wieso sich Verschwörungstheorien und rechtes Gedankengut auf der Videoplattform so schnell verbreiten. Ein guter Anreiz, um sich selbst zu fragen, ob man sich eigentlich in einer "Rabbit Hole" bewegt.

 

 

Plantbullar kommt

FineDings Juli 2020 Plantbullar

(Foto: Ikea)

Zu einem Besuch bei IKEA gehören sie dazu: Köttbullar. Sie sind das beliebteste Gericht im Einrichtungshaus. VeganerInnen dürfen jetzt einen kleinen Freudentanz aufführen, denn ab August gibt es endlich eine rein pflanzliche Variante des Klassikers. Bestehend aus Erbsenprotein, Kartoffeln, Zwiebeln, Haferflocken und Äpfeln verspricht die vegane Alternative, die unter dem Namen Plantbullar erscheint, mindestens genau so saftig und schmackhaft zu sein wie das Original. Ebenfalls wie das Original werden Plantbullar auch mit Kartoffelbrei, Rahmsauce und Preiselbeeren serviert.

Bis zum Jahr 2030 möchte der Möbelgigant klimapositiv werden. Mit den neuen Plantbullar, deren Klimabilanz die des Originals um 96% schlägt, ist der Grundstein dafür bereits gelegt.

 

 

Wenn der Lockdown für immer ist

FineDings Juli 2020 Born Free

(Screenshot: YouTube)

Was wäre, wenn der Lockdown kein Ende genommen hätte? Wenn zu Hause eingesperrt zu sein, die neue Normalität wäre? Was für uns Menschen unvorstellbar ist, ist für Tiere in Gefangenschaft Alltag. Das britische Filmstudio Aardman Animations, das unter anderem für "Wallace & Gromit" und "Shaun, das Schaf" bekannt ist, hat für die Tierschutzorganisation Born Free einen bewegenden Spot gedreht, der verdeutlicht, was es heißt, für immer in Gefangenschaft zu leben.

Die Geschichten, die unter anderem von einem Elefant, einem Tiger Paar und einer Lemurenmutter erzählt werden, basieren auf Interviews, die die Kreativen mit Freunden und Familie zum Thema Lockdown führten. Die Befragten wussten dabei nicht, wofür ihre Tonspuren später verwendet werden würden, sodass möglichst authentische Schilderungen entstanden. Das Video endet mit dem Aufruf, für Born Free zu spenden, um Tiere aus ihrem Leben in Gefangenschaft zu befreien.

 

 

Flieg ich durch die Welt?

FineDings Juli 2020 WindowSwap

(Screenshot: WindowSwap)

Nach Wochen und Monaten #stayhome kann einen die Aussicht aus den eigenen vier Wänden durchaus langweilen. Wer gerne mal Mäuschen spielen und einen Blick aus fremden Fenstern werfen möchte, der kann das bei WindowSwap tun. BesucherInnen der Webseite werden dazu aufgerufen, 10-minütige Videos mit Blick aus dem eigenen Fenster hochzuladen. Aus dem Fundus der bereits eingereichten Videos wird dann bei Klick auf "Open a new window somewhere in the world" zufällig eines ausgewählt. Neben einer tollen Aussicht und beruhigendem Vogelgezwitscher haben wir bereits Hunde, Katzen und sogar einen Stormtrooper entdeckt. Durchklicken lohnt sich also.

 

Themen: FineDings, Netzfundstücke, Design, JUNGMUT, Corona