FineDings – Rückblick September 2019

Von Marion Schmid am 01. Oktober 2019

Video, Video und nochmal Video war das Motto unserer septemberlichen FineDings. Wie aus Gemüselastern Zahnarztpraxen werden, was hinter Netflidlx, Rebuild The World oder Ubomi steckt und was eigentlich mit Designern passiert, wenn KI bald deren Job übernimmt erfahrt ihr hier!

von Marion Schmid

New Volkswagen, old roots

FineDings_Sep19_VW-Logo

(Bild: VW)

Zweidimensional, weiblich, mutig und farbenfroh – das ist die neue Markenbildsprache des „New Volkswagen“. Der Konzern hat VWs Erscheinungsbild nicht nur optisch erneuert, sondern auch komplett digital ausgerichtet. Mit der neuen Markenpositionierung will sich VW stark davon unterscheiden, wie sich Volkswagen bislang präsentiert hat. „Menschlicher und lebendiger werden, die Perspektive des Kunden stärker einnehmen und authentische Geschichten erzählen“ – beschreibt Marketing-Chef Jochen Sengphiel den neuen Markenauftritt.

Dazu nutzt VW nicht nur erstmals ein Soundlogo, mit mutigeren und farbenfroheren Bildwelten sollen sich die Kunden außerdem besser mit der Marke identifizieren können. Zeitgemäß hat sich auch die seit Jahrzehnten männliche Sprecherstimme in der Kommunikation auf eine weibliche geändert. Das neue Logo in flacher 2D-Optik und mit zusätzlichem Blauton für mehr Spielraum basiert auf dem VW-Logo der Sechzigerjahre. VW wollte ein moderneres, klareres und einfacheres Logo.

Der neue Markenauftritt ist Bestandteil der Elektromobilitäts- und Digitalisierungsstrategie und soll VWs vernetzte und CO2-neutrale Zukunft widerspiegeln, Flexibilität unterstreichen und digitale Anwendungen erleichtern.

Jetzt müssen insgesamt nur noch rund 70.000 Logos ausgetauscht werden – damit ist das VW-Rebranding eines der weltweit größten überhaupt.

➜ Hier geht's zu VWs neuem Look!

 

Was Gutes

(Video: Was Gutes)

Das beste Schmankerl unserer September FineDings und gleichzeitig Monatsliebling heißt „Was Gutes“ und ist tatsächlich was ziemlich Gutes. Das liegt nicht mal am lokalen Patriotismus den wir in Köln ja gerne mal pflegen. Das Doku-Projekt von den Filmemachern Kamil Hertwig und Marian Hirschfeld zeigt die Geschichten von einzigartigen Projekten, NGOs und Menschen. „Wenn man in der Filmbranche tätig ist und viel für Werbeagenturen und Ähnliches arbeitet, bekommt man irgendwann das Bedürfnis etwas Gutes mit seiner Arbeit zu tun“, erklären die beiden und so entstand auch der Name des Projekts. 

Seit Mitte letzten Monats könnt ihr monatlich einen neuen Kurzfilm auf Kamils und Marians YouTube Kanal sehen. „Was Gutes soll positive Dinge die uns umgeben, herausfiltern und durch stylisch- informative Dokumentationen den Zuschauer erreichen. Dabei konzentrieren wir uns auf Menschen, soziale Projekte, NGO’s, Vereine etc, die ein gutes Herz haben, selbstlos handeln und einen positiven Impact haben und vor allem: Gutes tun!“ so die Kölner Jungs.

Die bisher veröffentlichten Kurzfilme handeln von ausrangierten Gemüselastern, die als mobile Zahnarztpraxen für Flüchtlingscamps in Syrien ausgebaut wurden, von einer Zirkusschule, die Kinder und Jugendliche aus verschiedenen sozialen Schichten Südafrikas zusammen bringt oder von den „Ubomi-Häusern“, in denen bedürftige Kids nicht nur eine warme Mahlzeit bekommen, sondern auch die Möglichkeit an Aktivitäten teilzunehmen, Musik zu machen und gleichzeitig familiäre Wärme und Sicherheit, den Frieden und die Stabilität zu erfahren die sie brauchen, um sich entwickeln und entfalten zu können.

Wir lieben es und freuen uns schon wie bolle auf den nächsten Kurzfilm!

➜ Überzeugt euch selbst! 

 

Tick, Tick, Tick, Boom

(Video: Okada Takuya)

 

Wenn wir grad schon beim Thema Kurzfilm sind – diesen Monat sind wir auf den Film „Children“ des Illustrators Okada Takuya gestoßen. Okadas Film ist zwar wahnsinnig drückend und düster, trifft aber durchaus gekonnt einen empfindlichen Nerv, den vermutlich jeder von uns schon mal gespürt hat. „Children“ handelt von gesellschaftlichen Problemen wie dem Notendruck in der Schule, fehlendem Platz für Individualität und dem stetigen Drang zur Perfektion. Gleichzeitig ist er aber auch eine Kritik. Eine Kritik an die gängige Schulkultur, den gesellschaftlichen Druck, die Abwesenheit von Verschiedenheit, unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten. Kritik an einer sich immer ähnlicher werdenden Gesellschaft der alles vorgegeben wird, die es verlernt hat, selbst nachzudenken und die ständig versucht Erwartungen gerecht zu werden.

Der Animationsfilm ist unschwer zu erkennen von der disziplinierten japanischen Schulkultur inspiriert und stellt in seiner Botschaft versteckt nicht nur die Frage, warum wir alle dabei mitmachen, sondern ruft auch dazu auf, einfach mal auszubrechen und anders zu sein.

Wir haben uns zwar ein bisschen ertappt gefühlt, finden aber trotzdem, dass wir auf einem guten Weg zu einer noch bunteren und individuelleren Gesellschaft sind.

Nichtsdestotrotz – nehmt euch die vier Minuten Zeit für ➜ Okadas Sicht auf die Dinge.

 

Rebuild the LEGO world

(Video: LEGO)

Ein Hase auf der Flucht, ein Jäger auf Verfolgungsjagd, feuerspeiende Drachen, fliegende Rennwägen und U-Boote. Kein neuer James Bond, sondern die seit 30 Jahren erste globale LEGO-Kampagne von der Pariser Agentur BETC und LEGO selbst.

Mit „Rebuild The World“ will LEGO die Kraft der Kreativität nicht nur feiern, sondern Menschen jeden Alters dazu inspirieren, diese auch zu entfalten. Neue Welten erschaffen, Fantasiewelten entstehen lassen und so Fähigkeiten und Lösungen entwickeln, die Kindern im späteren Leben noch helfen können. Diesen Aspekt rückt LEGO in seiner globalen Markenkampagne in den Fokus.

Alle Figuren, Tiere, Fahrzeuge und Objekte des Kampagnenfilms sind Teil der LEGO-Produktwelt und können erworben werden. Zudem hält das Unternehmen in dem Film mehrere Easter Eggs für echte LEGO-Fans bereit.

Der Spot wird in Versionen von 103, 90, 60 und 30 Sekunden im Fernsehen, in Kinos sowie auf digitalen Außenwerbeflächen in Großstädten und im Social Web eingesetzt.

Sympathisch, abenteuerlich und kreativ ermutigt LEGO mit dieser gelungenen Kampagne dazu, die Welt zu verändern. Oder neu zu erschaffen. Also, zumindest einmal die LEGO-Welt. Und in der Fantasie. ➜ Also los zur Ostereiersuche!

 

 

Netflidlx & Chill

(Video: Lidl)

Dass sich die deutschen Discounter-Ketten einen Werbe-Wettkampf liefern, ist mittlerweile bekannt. Vor einigen Tagen hat Lidl einen neuen Werbespot auf Youtube veröffentlicht, der über Nacht zum viralen Hit wurde – mit einer guten Portion Sarkasmus und viel Humor nimmt Lidl in Form von „Netflidlx“ die Konkurrenz auf die Schippe. Doch mehr verraten wir nicht, wir wollen euch schließlich nicht spoilern.

➜ Schaut euch den Mini-Thriller unbedingt an!

 

KI vs. Designer

FineDings_Sep19_KI-im-Design

(Illustration: JUNGMUT)

Genug Video Content für diesen Monat. Wir haben auch noch ein interessantes Interview von Jochen Rädeker für euch. Jochen Rädeker ist Gründer und Geschäftsführer der Designagentur Strichpunkt und spricht hier über die Zukunft des Designs in Zeiten von KI. Jochens Agentur entwickelte nämlich ein Gestaltungswerkzeug, das mithilfe künstlicher Intelligenz Layouts erstellt: den Layout Creator. Werden sich Designer also künftig selber abschaffen? Jochen sagt nein.

Sein eigenes Tool sieht er nur als den Anfang der Zukunft des Designs. Wenn eine kleine Agentur wie Strichpunkt schon fähig sei, so ein System aufzusetzen, ließe sich daraus ganz leicht ableiten, zu was zum Beispiel Google, Microsoft oder Adobe mit all ihren Spezialisten in der Lage wären – und wie schnell sich solche automatisierten Designsysteme verbreiten würden.

Zu der Frage, wie die zunehmende Automatisierung durch KI den Designberuf verändern wird hat er eine klare Meinung: „Das kommt auf die Definition und das Selbstbild an!“ 

Es sei wichtig, sich im digitalen Wandel nicht mehr nur darauf zu konzentrieren, Designtools wie Photoshop oder InDesign besser als der Kunde bedienen zu können, sondern vielmehr liege die Zukunft darin, mit technischer Unterstützung kreative Ideen umzusetzen. Als gefährdet sieht er Berufe, die sich vor allem über das Handwerk definieren, also beispielsweise den des DTP-Setzers oder Mediengestalters. Dafür sieht er aber großes Zukunftspotenzial für Menschen, die Kreativität professionell ausleben wollen, ohne sich dabei von technischen Barrieren behindern zu lassen.

Der Job des Designers, so glaubt Jochen, werde sich dahingehend ändern, dass wir künftig einem Voice Interface sagen: „Ich brauche ein Layout, feminin, freundlich, Zielgruppe 20- bis 30-jährige Frauen. Such bitte geeignete Farben und Schriften heraus und füge oben rechts folgenden Inhalt ein: .....“ Ein System von Google, Adobe, Microsoft oder Strichpunkt liefere dann einen Vorschlag, den man noch etwas anpasst – fertig. Die ganze Technik dahinter muss also nicht mehr perfekt beherrscht, sondern nur ihre Wirkweise verstanden werden.

Strategisch denken, kreative Lösungen und Ideen entwickeln können und ein ausgeprägtes formales Empfinden lautet also die Überlebenschance in einem Weltmarkt der Zukunft – denn KI kann fast alle handwerklichen Prozesse ersetzen, aber nicht kreatives Denken. Also stay creative!

 

Das Buch der Gerechtigkeit

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(Foto: The Female Company)

Was haben Kaviar, Champagner und die weibliche Menstruation gemeinsam? Richtig –nicht so viel. Tampons zählen nämlich, im Gegensatz zu Kaviar oder Champagner als Luxusgut und werden demnach mit 19% statt nur 7% Mehrwertsteuer besteuert. Lächerlich – finden wir auch. 

Die Tampons und das zugehörige launige Buch über Menstruation in dessen Buchrücken ca. 15 Bio-Tampons integriert sind kennen wir als Agentur mit ziiiieeemlichem Frauenüberschuss deshalb schon lange. Beim Verkauf fallen so nämlich nur 7% Buchsteuer an. Ausgefuchst.

So viel also dazu. Worüber wir uns im September aber wirklich gefreut haben war, dass „The Tampon Book“ jetzt in das dm-Drogerie Sortiment aufgenommen wurde. In limitierter Auflage und für 2,95 Euro ist es ab sofort auf dm.online erhältlich.

Die Tampons von The Female Company, haben wir übrigens nicht nur privat, sondern auch in unserem Agentur Gästeklo.
Also: Keep bleeding, keep, keep bleeding loooove – super Sache, schlechter Ohrwurm.

  Hier entlang zum Tagebuch!

 

Ene mene meck, und du bist weg

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(Screenshot: Imgur)

Die Bilder sind unscharf? Richtig. Liegt aber nicht an der fehlenden Brille oder mangelnder Auflösung, sondern am Aussterben von immer mehr Tierarten unserer Erde.

Schon mal was vom Galapagos Penguin, dem Indus River Dolphin oder dem Javan Rhino gehört? Ne? Kein Wunder, die gibt es nämlich quasi schon gar nicht mehr. 

Auf Imgur sind wir diesen Monat auf diese alarmierende Visualisierung von noch verbleibenden Tierarten gestoßen. Jeder Pixel steht dabei für ein verbleibendes Tier der jeweiligen Tierart. Umso verpixelter das Bild also, desto vom Aussterben gefährdeter die Tierart.

  Schaut mal rein!

 

 

 

 

Themen: FineDings, Netzfundstücke, Design, Video