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Praxistipp: Hoch oder Quer? Realbild Video-Content effektiv für Social Media produzieren.

Video für Social Media ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Egal ob Ad oder redaktioneller Inhalt – Video erreicht Aufmerksamkeit. Experten schätzen, dass bis 2022 Videoinhalte circa 82 Prozent des Online-Traffics ausmachen werden.1 Dieser Blogbeitrag gibt Überblick über die aktuellen Video-Standards und Formate sowie Tipps zur Content-Produktion und Ausgabe für Hoch- und Querformate.

von Niels-Jonas Simons

 

Hochkant

Braun ist das neue Schwarz und Hochkant das neue Quer?! Laut einer Studie finden es 82% der Nutzer abschreckend, Videoinhalte in einem nicht optimierten Format zu schauen2, z.B. wenn ein Breitbild-Clip in eine Instagram-Story gequetscht wird und so nur ca. ein Drittel der Bildschirmfläche ausmacht. Außerhalb des Social Media Kosmos testete die DFL vor Kurzem sogar ein Bundesliga-Spiel hochkant zu produzieren. Natürlich wird das klassische 16:9 Breitbild nicht sterben, und in naher Zukunft werden wir unsere heimischen TV Geräte nicht um 90 Grad drehen müssen oder im Kino an die Decke starren. Dennoch zeichnet sich für Social Media, Smartphone und Co. ein Trend ab, was Format und Seitenverhältnis angeht – und das eigentlich auch nicht erst seit gestern. Dazu macht es aus Werber und Creator Sicht durchaus immer Sinn, seinen Content so auszugeben, dass die größtmögliche Fläche des Ausgabegeräts genutzt wird. 

 

Übersicht Videocontent-Formate

Instagram
Wer seinen Content über Instagram publizieren möchte, hat vielfältige Möglichkeiten. Seit 2018 gibt es mit IGTV eine YouTube Konkurrenz, die es erlaubt Videos mit einer Länge von 1-60 Minuten hochzuladen. Gestartet im Hochformat, erlaubt es Instagram seit Mai 2019 auch 16:9 Videos hochzuladen, für die der Nutzer sein Handy drehen muss. Die Vorschau wird im Feed dann in 16:9 angezeigt. Das Instagram-Story-Format ist 9:16 (1080x1920). Der Instagram Feed lässt Videos zwischen 16:9 Breitbild und 4:5 hochkant zu, was einer Auflösung zwischen 1920x1080 und 1080x1350 entspricht. 

Facebook
Facebook verhält sich ähnlich wie Instagram, was das Ausgabeformat angeht. Das Unternehmen selbst empfiehlt für Videocontent im Ad-Segment 1:1 als optimalen Output.

Snapchat
Snapchat, im Grunde der geheime Vorgänger der Instagram-Stories, unterstützt 9:16 bei einer Auflösung von 1080x1920. 

YouTube
Der YouTube-Player ist für das klassische 16:9 ausgelegt. Mobil werden jedoch vertikale Videos in 9:16 auch schon seit einigen Jahren unterstützt. 

Vimeo
Der YouTube Konkurrent Vimeo, vor allem von Indie-Filmern und Produktionsfirmen als Showreel-Präsenz genutzt, hat 16:9 als Standard-Format. 

TikTok
TikTok nutzt ähnlich wie die Instagram-Story Funktion das 9:16 Seitenverhältnis in FullHD.

Die Auswahl an Anbietern und Formaten ist groß – wie geht man also am besten vor, wenn man Content produziert und diesen auch in verschiedenen Formaten ausgeben möchte?

 

Case 1: Breitbild produzieren, horizontal und vertikal ausspielen

Wer seinen Videocontent in 16:9 produziert, schränkt sich automatisch etwas ein, was eine spätere Ausspielung in 4:5 oder 9:16 angeht. Grundvoraussetzung ist die Produktion in mindestens 4K (3840 x 2160), damit man die für 9:16 erforderliche Mindesthöhe von 1920 Pixeln erreicht. So kann man im Schnitt einen vertikalen Ausschnitt wählen, bei dem man in der Höhe noch 120 Pixel nach oben und unten hat, und in der Breite frei entscheiden kann, welchen Ausschnitt man wählt.

Diese durchaus effektive Möglichkeit birgt jedoch den Nachteil, dass der Bildausschnitt in 9:16 naturgemäß oft relativ eng wird. Totale Einstellungen werden zu Halbnahen bis Nahen, und verwehren so dem Zuschauer die Möglichkeit des Überblicks über eine Gesamtsituation. Beim Dreh sollte hier also darauf geachtet werden, vorsorglich die Totalen etwas weiter zu framen. 

Wer kann, legt sich intern über die Kamera 9:16 Frame Lines. Intern funktioniert das bei den meisten DSLR’s und Systemkameras noch nicht, dann müssen eben die guten alten Gaffer-Streifen auf dem Display herhalten. 


Frame Lines auf einem Kamerabild beim Dreh

(Foto: Wer kann, nutzt Frame Lines als Orientierung beim Dreh)

Bei dieser Variante stellt sich nun die Frage nach dem Mehraufwand in der Postproduktion. Muss ich alles zweimal schneiden? Nein, natürlich nicht. Wer seinen Content in beiden Formaten ausgeben möchte, sollte sich zunächst inhaltlich fokussieren und eine Variante finalisieren. Nachträgliche Anpassungen in beiden Varianten sind so nämlich nur doppelte Arbeit. Wenn nun die erste Variante – im besten Fall die 16:9 Version – finalisiert ist, können die Clips in eine 9:16 Sequenz kopiert und auf Framing überprüft werden. 

 

Case 2: Hochkant produzieren, Hochkant ausspielen

Kamera drehen, hochkant filmen! Was bis vor einigen Jahren für erfahrene Kameraleute noch ein No-Go gewesen ist wird nun Wirklichkeit. Sollte bei Produktionsbeginn feststehen, dass der Content ausschließlich hochkant benötigt wird, dann sollte man ihn auch hochkant produzieren. Der große Vorteil ist die volle Auflösung und einen weiteren Bildausschnitt bei gleicher Brennweite. Außerdem stimmt bei der Produktion das Kamerabild mit dem direkten Output überein. Mit hochkant in 4K-Auflösung hat man dazu sogar noch die Möglichkeit den Bildausschnitt nachträglich zu justieren. 

Bildausschnitt in verschiedenen Formaten bei gleicher Brennweite

(Foto: Vorteile des vertikalen Filmens: 16:9 vs. 16:9 Crop auf 9:16 vs. 9:16 vertikal gedreht bei gleicher Brennweite)

Natürlich ist es nicht unmöglich bereits vorhandenes Footage in die jeweiligen Formate, ob 9:16, 1:1 oder 4:5, zu bringen. Wer seinen Nutzern jedoch das bestmögliche Erlebnis bieten möchte, sollte sich vor der Produktion über das Output-Format Gedanken machen, und das unbedingt in der Produktion berücksichtigen, um den Mehraufwand im Schnitt besser kalkulieren zu können.

 

Fazit

Was du beim Produzieren von Social Media Videoformaten beachten solltest:

  • Bei Produktionsbeginn das Endformat im Blick haben, und dann über die Produktionsweise entscheiden
  • Vertikales Filmen bietet mehr Vorteile gegenüber einem späteren Crop von 16:9 auf 9:16
  • Orientierung beim Dreh: Frame Lines zur Unterstützung eines 9:16 Bildausschnitts

 

1,2 Perry, E. (2020)

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